04.05.2025
Erbil (Rûdaw) – Das Lausanner Kurdische Institut gab in einer veröffentlichten Erklärung seine Gründung bekannt.
Das Institut erklärte, sein Hauptziel sei es, das Selbstbestimmungsrecht der Kurden zu verteidigen. Für das in der Schweizer Stadt Lausanne gegründete Lausanne Kurdische Institut wurde ein Gründungsempfang veranstaltet. Bei dem Empfang wurden die Ziele des Instituts in einer Erklärung auf Kurdisch und Französisch bekannt gegeben. Zahlreiche Schriftsteller, Akademiker, politische Vertreter und Vertreter von Diaspora-Organisationen nahmen an dem Empfang teil.
„In der Hoffnung auf den Aufbau einer strahlenden Zukunft“
In der Einladung, die anlässlich der Eröffnungsfeier an die Teilnehmer verschickt wurde, hieß es: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das Kurdische Institut in Lausanne seine Pforten öffnet. Aus diesem Anlass laden wir Sie zu unserem Eröffnungsempfang ein. Ihre Teilnahme und Ihre Unterstützung bedeuten uns sehr viel. In der Hoffnung, gemeinsam eine strahlende Zukunft aufzubauen.“
„In Europa wird eine kurdische Universität gegründet“
Die Gründungserklärung des Kurdischen Instituts in Lausanne lautet wie folgt:
„Heute verkünden wir mit historischer Verantwortung und nationalem Bewusstsein die Gründung des Kurdischen Instituts in Lausanne, um die nationalen Rechte sowie die kulturelle und politische Existenz des kurdischen Volkes zu definieren und zu schützen. Das Kurdische Institut in Lausanne hat seinen Namen vom Vertrag von Lausanne von 1923; durch diesen Vertrag wurde dem kurdischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung systematisch verweigert und die Kurden wurden staatenlos gelassen.
Dieser Name ist für uns kein Symbol der Ablehnung, sondern ein Symbol der Konfrontation, des Wiederaufbaus und der Wiedergeburt. Aus diesem Grund wurde das Institut an dem Ort gegründet, an dem die Leugnung stattfand, um die unterdrückte Wahrheit wiederaufzubauen, und hat hier seinen ersten Schritt getan. Unser Institut wurde als intellektuelle und institutionelle Initiative gegründet, um den historischen Bruch aufzudecken und zu überwinden.
Ein Jahrhundert des historischen Schweigens
Das Regime der Leugnung, Zersplitterung und des Schweigens, das der Vertrag von Lausanne dem kurdischen Volk über mehr als ein Jahrhundert hinweg auferlegt hat, neigt sich nun dem Ende zu. Die Veränderungen im Nahen Osten nach 2023 verändern die Sprache der Beziehungen innerhalb der kurdischen Gemeinschaft sowie das Völkerrecht. Das Institut ist das Ergebnis einer Vision, die diesen historischen Moment erkennt und ihn in eine intellektuelle Vorreiterrolle umwandelt.
Mission und Ziele
Das grundlegende Ziel unseres Instituts ist es, das Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes aus historischer, rechtlicher und politischer Sicht zu schützen und auf institutioneller Ebene sowie mit legitimen Methoden die ideelle Grundlage dafür zu schaffen. In diesem Zusammenhang bilden die Fragen der Identität, Sprache, Kultur und Freiheit der Kurden die Schwerpunkte der Arbeit und Forschung des Instituts.
Als Think-Tank, der auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene Forschungen zu den Kurden und Kurdistan durchführt, sowie die langfristige Gründung einer Kurdenuniversität in Europa – einer Institution mit akademischer Autonomie, die universelles Wissen mit Wissenschaft, Kunst und Denken vereinen kann – gehören zu den Zielen des Instituts.
Von der Zersplitterung zur Einheit
Das Kurdeninstitut in Lausanne hat sich zum Ziel gesetzt, die durch historische Zersplitterung entstandene Ghettoisierung der Spaltungen unter den Kurden zu überwinden und auf nationaler Einheit sowie geistiger und institutioneller Erneuerung aufzubauen. Das Verwaltungssystem unseres Instituts stützt sich auf den vorrangigen Willen aller Teile Kurdistans. Diese Zusammensetzung repräsentiert die vereinte Zukunft des kurdischen Volkes auf geistiger und praktischer Ebene. Es wendet sich nicht nur gegen die Ghettos unter den Kurden, sondern auch gegen die sozialen Ghettos in den Ländern, in denen Kurden leben, und fördert eine nationale Identität auf der Grundlage von Einheit, Selbstbewusstsein und Integration.
Ein historischer Aufruf in Lausanne
Mit Freude und Entschlossenheit geben wir bekannt, dass wir anlässlich des Jahrestags des Vertrags von Lausanne im Juli 2025 unter der Federführung unseres Instituts in Lausanne einen Workshop mit dem Titel „Das Recht auf Selbstbestimmung und die Zukunft der Kurden“ veranstalten werden, an dem Wissenschaftler, Juristen und Politiker teilnehmen werden. Dieser Workshop wird an dem Ort, an dem Geschichte geleugnet wird, eine Plattform sein, um der Welt die Stimme unseres Strebens nach Freiheit und die Kraft unserer Ideen zu vermitteln.
Das Lausanner Kurdeninstitut betrachtet die Schweiz nicht nur als Zentrum und Ort, sondern als Vorbild für Meinungsfreiheit, politischen Pluralismus und eine hochentwickelte Demokratie. Unser Institut legt großen Wert auf die Integration in die Schweizer Gesellschaft und die kulturelle Welt dieses Landes. Auf dieser Grundlage danken wir von ganzem Herzen den Schweizer Freunden, Institutionen und der Öffentlichkeit, die uns insbesondere während des Gründungsprozesses des Instituts unterstützt haben.
Mehr als eine Institution der Diaspora
Mit dieser Erklärung verkünden wir nicht nur die Gründung eines Instituts, sondern auch den Beginn einer neuen ideellen Etappe im Freiheitskampf des kurdischen Volkes. Das Kurdeninstitut in Lausanne ist eine ideelle, wissenschaftliche, kulturelle und akademische Einrichtung eines alten Volkes. Wir rufen alle kurdischen Intellektuellen, Akademiker, Künstler und Patrioten dazu auf, sich dieser Initiative anzuschließen.“

