Das Kurdeninstitut von Lausanne – Die Heranbildung der Kurden
Ausgabe 5, Mai 2025
Der Monat Mai war Zeuge eines historischen Schrittes. Am 4. dieses Monats wurde das Kurdische Institut von Lausanne in Lausanne, Schweiz, gegründet und im Rahmen eines besonderen Empfangs bekannt gegeben. Die Wahl des Standorts des Instituts und seine Namensgebung sind von großer Bedeutung. Denn vor rund hundert Jahren wurde Kurdistan durch einen internationalen Vertrag, der in dieser Stadt unterzeichnet wurde, unter vier Länder aufgeteilt. Zudem wurde die kurdische Identität als nicht existent angesehen, und die kurdische Nation blieb staatenlos. Dieses Institut, dessen Gründungspräsident Necat Zivingî ist, entsteht mit einer heiligen Mission. Im Leitungsgremium des Instituts sind Vertreter aus allen vier Teilen Kurdistans vertreten. Was für ein Institut ist dies und wie wird es arbeiten, was werden seine ersten Aufgaben sein? Hier ist die Erklärung des Instituts.
Erklärung zur Gründung des Kurdischen Instituts von Lausanne
Heute verkünden wir im Namen der Erklärung und des Schutzes der nationalen Rechte sowie der kulturellen und politischen Existenz der kurdischen Nation, mit historischer Verantwortung und nationalem Bewusstsein, die Gründung des Kurdischen Instituts von Lausanne.
Warum Lausanne, warum jetzt?
Das Kurdische Institut von Lausanne hat seinen Namen vom Vertrag von Lausanne von 1923, durch den das Selbstbestimmungsrecht der kurdischen Nation systematisch verweigert wurde. Die Kurden blieben staatenlos.
Für uns ist dieser Name kein Symbol der Ablehnung, sondern der Konfrontation, des Wiederaufbaus und der Wiederbelebung. Aus diesem Grund wurde das Institut am Ort der Verleugnung gegründet, um die unterdrückte Wahrheit wiederherzustellen, und hat hier seinen ersten Schritt getan.
Unser Institut wurde als intellektuelle und institutionelle Initiative gegründet, um den historischen Bruch aufzudecken und zu überwinden.
Zeitliche Schwelle: Das Jahrhundert des historischen Schweigens
Das Regime der Verleugnung, Teilung und des Schweigens des Vertrags von Lausanne – unter dem die kurdische Nation seit mehr als hundert Jahren gelebt hat – neigt sich nun dem Ende zu. Die Veränderungen im Nahen Osten nach 2023 wandeln die Sprache der innerkurdischen Beziehungen und des Völkerrechts. Das Institut ist das Produkt jener Vision, die diesen historischen Moment erkennt und ihn in intellektuelle Führungsstärke umwandelt.
Unsere Mission und Ziele
Das wesentliche Ziel unseres Instituts ist der Schutz des Selbstbestimmungsrechts der kurdischen Nation aus historischer, rechtlicher und politischer Sicht sowie die Vorbereitung der intellektuellen Grundlagen auf institutioneller Ebene und in legitimer Form. In diesem Zusammenhang stehen die Fragen der Identität, Sprache, Kultur und Freiheit der Kurden im Mittelpunkt der Arbeit und Forschung des Instituts.
Die Ziele des Instituts sind der Betrieb als intellektuelles Zentrum (Think-Tank), das auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene Forschung zu den Kurden und Kurdistan betreibt, sowie langfristig die Gründung einer kurdischen Universität in Europa – die Verwirklichung einer Institution mit akademischer Autonomie, die universelles Wissen und Wissenschaft mit kurdischer Kunst und kurdischem Denken vereinen kann.
Von der Zersplitterung zur Einheit: Ein Wille, der die Ghettos überwindet
Das Kurdische Institut von Lausanne setzt sich zum Ziel, die durch historische Teilung entstandenen Ghettos der kurdischen Teile zu überwinden – mittels einer intellektuellen und institutionellen Erneuerung, die auf nationaler Einheit gründet.
Das Gründungs- und Leitungssystem unseres Instituts beruht auf dem führenden Willen aus allen Teilen Kurdistans. Diese Zusammensetzung repräsentiert die vereinte Zukunft der kurdischen Nation auf intellektueller und praktischer Ebene.
Es wendet sich nicht nur gegen die Ghettos unter den Kurden, sondern gleichzeitig auch gegen die sozialen Ghettos in den Ländern, in denen Kurden leben; auf der Grundlage von Einheit, Selbstbewusstsein und Integration fördert es eine nationale Existenz.
Ein historischer Aufruf in Lausanne: Der internationale Workshop
Im Einklang mit dieser Vision verkünden wir mit Freude und Entschlossenheit, dass wir am Jahrestag des Vertrags von Lausanne im Juli 2025 unter der Leitung unseres Instituts in Lausanne unter Beteiligung von Wissenschaftlern, Juristen und Politikern einen Workshop mit dem Titel „Das Recht auf Selbstbestimmung und die Zukunft der Kurden“ veranstalten werden. Dieser Workshop wird an dem Ort, an dem Geschichte geleugnet wurde, zu einer Plattform werden, die der Welt die Stimme unseres Strebens nach Freiheit und unsere intellektuelle Kraft vermittelt.
Schweiz: Zusammenarbeit und eine gemeinsame Zukunft
Das Kurdische Institut Lausanne sieht die Schweiz nicht nur als Zentrum und Ort, sondern als Vorbild für intellektuelle Freiheit, politische Pluralität und eine entwickelte Demokratie. Unser Institut gründet sich auf die Solidarität mit der Schweizer Gesellschaft und der Kulturwelt dieses Landes.
Auf dieser Grundlage sprechen wir unseren Schweizer Freunden, den Institutionen und der Öffentlichkeit, die uns insbesondere während des Gründungsprozesses des Instituts unterstützt haben, unseren herzlichen Dank aus.
Eine Institution jenseits der Diaspora
Mit dieser Erklärung verkünden wir nicht nur ein Institut, sondern zugleich, im Marsch der kurdischen Nation in Richtung Freiheit, den Beginn einer neuen intellektuellen Etappe.
Das Kurdische Institut von Lausanne ist die intellektuelle, wissenschaftliche, kulturelle und akademische Institution einer alten Nation. Wir rufen alle kurdischen Intellektuellen, Akademiker, Künstler und Patrioten dazu auf, sich an diesem Vorhaben zu beteiligen.
Das Kurdische Institut von Lausanne
Lausanne, Schweiz
04. Mai 2025
